Wanderungen am Dammgraben

 

Als im Oberharz noch der Bergbau umging, waren Wasserräder die einzigen Kraftmaschinen. Die Niederschläge waren reichlich – heute hätte man gern weniger -, doch galt es, sie zu sammeln, zu speichern und auf die Räder zu verteilen. Drei Jahrhunderte lang mühte man sich, den Stauraum zu vergrößern, die Gräben zu erweitern, denn der Energiebedarf stieg laufend. Energiekrisen gab´s auch damals schon. Ideenreichtum war allezeit gefragt. Zum Hauptstück wurde schließlich das Dammgrabensystem. Es ist heute als Baudenkmal eingestuft und geschützt. Am Dammgraben zu wandern, ist recht bequem, weil die Wege fast eben sind. Es ist höchst interessant, wenn man ein wenig um seine Bedeutung weiß. Und man erlebt darüber hinaus den Oberharz in seiner ganzen landschaftlichen Vielfalt: Die Hochmoore um Torfhaus, nahe dem 1142m hohen Brocken, Waldeinsamkeiten und schroffe Hänge am Bruchberg und seinen Ausläufern und schließlich das weite Hochplateau um Clausthal-Zellerfeld. Der Dammgraben im engeren Sinne hat eine Länge von 23 km, das ganze System mit allen Seitenarmen ist etwa 49 km lang.

 

Es lohnt sich mehrere Tage wandernd seinem Lauf zu folgen. Die beiden Bergstädte Clausthal und Zellerfeld waren sein Zielgebiet. Hier vor allem regte sich bedeutender Bergbau auf Silber. Unzählige Gruben brauchten Wasser, um das Erz zu fördern, aber ebenso, um Wasser im Schacht zu heben. Pochwerke brauchten es, um das Erz zu zerkleinern, und Hütten, um mit Blasebälgen das begehrte Metall zu zerschmelzen. Auf dem Clausthaler Hochplateau wird die Mühe erkennbar, die man auf das Speichern und Verteilen verwendete. Mehr als 40 Stauseen liegen ringsum, und Gräben durchziehen allenthalben das Gelände. Man sollte deshalb zuerst die Umgebung Clausthal-Zellerfelds erwandern.

 

Teiche und Gräben um Clausthal-Zellerfeld

Wir beginnen unsere Wanderung an der Kurverwaltung am ehemaligen Bahnhof, gehen erst Stadteinwärts, die Straße „an den Eschenbacher Teichen“ aufwärts, und gelangen durch ein Neubaugebiet an den Damm des Oberen Eschenbacher Teiches. Gleich rechterhand breitet sich der Untere Eschenbacher Teich in den Wiesen der Talmulde aus. Der Obere wird von einem winzigen Bach gefüllt, der Untere bekommt schon Dammgrabenwasser. Von den Hausherzberger Teichen her, die unser nächstes Ziel sind. Über einen kleinen Buckel, vorbei am Kinderheim Voigtslust und dann rechts ab auf dem Harzklubweg 5 J, stehen wir kurz darauf auf dem Damm des unteren der beiden. Blickt man über den Wasserspiegel, dann erkennt man, dass der Damm des Oberen Hausherzberger Teichen mit seinem Fuß im Wasser des Unteren steht. Die Höhendifferenz zwischen beiden beträgt nur etwas mehr als einen Meter.

 

Zusammengenommen haben sie 400 000 cbm Inhalt. Eine solche Menge wagte man damals nicht allein hinter nur einem Erddamm zu stauen, man teilte sie mittendurch. Am Seeufer entlang geht der Harzklubweg 10 R. Rechterhand breiten sich noch Wohnhäuser aus. Dann ein Ferienpark, dessen kleine Häuschen auf den oberen Teich blicken. Unser Weg geht durch ein kleines Waldstück in ein flaches Tälchen. Dort stoßen wir, nach dem Überqueren einer früheren Eisenbahntrasse, auf die „Teilung“, das Ende des eigentlichen Dammgrabens. Er gibt hier nach links den Hausherzberger Teichen ihr Quantum Wasser nach rechts versorgt er die Pfauenteiche. Eine Hinweistafel gibt uns darüber bescheid, sonst bliebe dieser wichtige Punkt wohl unseren Blicken verborgen. Der Abzweig zum Unteren Pfauenteich geht nämlich durch den Berg, durch einen Stollen, den die Bergleute bei dieser Zweckbestimmung „Wasserlauf“ nannten. Wasserläufen werden wir noch häufiger begegnen.

 

Alles in einem verläuft der Dammgraben auf mehr als 7 km Länge unterirdisch. Unser 10-R-Weg geht jetzt links ab durch dichten Wald – ohne Graben. Der zieht schon wieder durch den Berg. An einer flachen Mulde neben dem Weg erkennt man, dass er früher hier offen verlief. Die Mühe, sich durch den Berg zu schlagen, hatte mehrere Gründe: Sie verkürzte den Graben und machte die Unterhaltung weniger kostspielig. Sie hatte auch mit den strengen Oberharzer Wintern zu tun. Dann fror das träge dahinfließende Grabenwasser oft bis zum Grund. In den Wasserläufen war es davor geschützt, auf längeren Strecken erwärmte es sich sogar ein wenig. Kurz darauf wird der Graben wieder sichtbar, am „Fenster“, einem nur wenige Meter langen Stück.

Eine Hinweistafel besagt, dass er hier aus dem Dietrichsberger Wasserlauf kommt, der 1070 m lang ist.

Eine Weile bekommen wir den Dammgraben also nicht zu Gesicht. Unser Weg kreuzt die Autostraße etwa an der Wasserscheide zwischen Innerste und Oker. Wir kommen durch Hochwald am „Roten Handschuh“ zum Fortuner Teich. Als trockengefallenes Teichstück sehen wir hier den Dammgraben wieder. Der Graben selbst geht abseits unseres Weges oben um den Teich herum. Hat der Teich deshalb mit dem Dammgraben nichts zu tun?


Weit gefehlt. Er wurde allerdings erst in unserem Jahrhundert, als Pumpspeicherwerk benutzt. Bei Überschuss wurde er aus dem Dammgraben gefüllt und bei Bedarf mittels elektrischer Pumpen über den Grabentunnel wieder entleert. Jenseits des Teichdamms verkneifen wir uns, auf dem R-10-Weg weiter zum Polsterberger Hubhaus zu gehen. Das heben wir uns für die nächste Wanderung auf. Wir gehen rechts durch den Hochwald (7 O) gemächlich hinauf zum Jägersbleeker Teich.

 

Auch er entwässert eigentlich zur Oker hin, ist aber in Komplizierter Weise in das Dammgrabensystem eingebunden. Auf einfachste Weise kann sein Vorrat in das Reservoir Fortuner Teich fließen. Zum anderen kann er über den Grundablass, einen Graben und ein Wasserlauf – unter der Wasserscheide hindurch – den Mittleren Pfauenteich versorgen. Zum dritten ist er über endlos lange „totsöhlige“, das heißt absolut horizontale Gräben und Wasserläufe mit dem Hirschler Teich verbunden. Der hat – gefüllt – einen nur 2 m höheren Wasserspiegel, halb leer kann er bereits einen Großteil des Wassers des Jägersbleeker Teichs wieder aufnehmen. Auch diesem Meisterstück der Grabenbaukunst mit der Huttaler Widerwaage werden wir morgen begegnen.


Unser Weg (10 H/7 O) führt uns über den Damm des Jägersbleeker Teichs und einen flachen Buckel zum Hirschler Teich, der schon wieder zum Innerstegefälle gehört. Der ist nun absolut „Spitze“. Mit rund 700 000 cbm Stauraum ist er der größte aller umliegenden Teiche. Dabei ist die Wasserscheide, über die wir eben kamen, nur 10 m höher. Vieler kniffliger Einfälle bedurfte es, ihn zu füllen. Ohne den Dammgraben wäre es meist leer gewesen. Der Obere Kehrzug-Graben, der Ihm Wasser von den Hängen oberhalb Buntenbocks zuführte, war dagegen nur von geringer Bedeutung. Er ist inzwischen verfallen. Für heute haben wir genug gesehen und erfahren. Auf dem 9-A-Weg gehen wir zurück nach Clausthal-Zellerfeld, vorbei am Zechenhaus der Grube Dorothee. Ihr müssen wir aber doch noch ein paar Worte widmen: Sie war über lange Zeit eine der bedeutendste des Oberharzer Bergbaus. Goethe und Heinrich Heine sind dort eingefahren, viele Besucher aus dem hannoverschen Herrenhaus haben sich in ihr Gästebuch eingetragen. Und auch das Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld sollten wir noch erwähnen, das in Modellen und Schauobjekten Bergbau und Wasserwirtschaft anschaulich macht. Der Weg war ja nicht weit, nur rund 12 km. Da bleibt für das Museum wohl noch etwas Zeit.


Der Damm, der den Namen gab


Heute werden wir erfahren, was es mit dem Namen Dammgraben auf sich hat. Wir werden den Weg des Wassers verfolgen und sehen, welche Mühe man aufwandte, es zu möglichst hoch gelegenen Stauteichen zu transportieren. Als Ausgangspunkt wählen wir Altenau, sparen uns jedoch den Anstieg zum Dammhaus, sondern nehmen den Bus Richtung St. Andreasberg. Das Sperberhaier Dammhaus ist eine beliebte Ausflugsgaststätte, es war einstmals Dienstwohnung des Grabenwärters; ein weitgehend im alten Stil erhaltenes typisches Harzhaus mit niedrigem Dach übrigens. Nach Westen sieht man eine flache Talmulde, in die sich die Autostraße hineinsenkt.

 

So begehrlich man einst in Clausthal-Zellerfeld auf die im östlich gelegenen Hochharz anfallenden Wassermengen auch schaute, diese Senke verwehrte den Zugriff. Wie man sie überwinden könnte, wurde schon 1656 überlegt, als wegen Wassermangels der Grubenbetrieb fast vollständig ruhte. Aber erst 80 Jahre später fand man eine Lösung: Ein Damm, 940 m lang und bis zu 16 m hoch, in drei Jahren von Bergleuten mit Tragekörben und Schubkarren aufgehäuft. Im gemauerten Bett auf seiner Krone floss nun das Wasser westwärts. Auch wir gehen westwärts über den Damm und folgen jenseits dem Graben in den Wald (9-A-Weg des Harzklubs). Nach etwa 1 km verschwindet er im Berg, im Rothenberger Wasserlauf. Es wird eine Weile dauern, bis wir sein 790 m entferntes Ende sehen. Der Weg zeigt sich zunächst noch als früherer Grabenweg, dann geht er querbeet im buckeligen Waldgelände auf und ab. Wo er an die Bundesstraße stößt, die hier hoch aufgeschüttet ist, zweigen wir vom 9-A-Weg ab, gehen rechts abwärts und überqueren den Kautztaler Graben, der Wasser von den südlichen Hängen heran zum Hirschler Teich hinbringt.

 

Noch ein wenig weiter abwärts stoßen wir auf den 10 H gekennzeichneten „Verlobungsweg“. Warum der so heißt, vermag niemand so recht zu erklären. Lassen wir´s also auch. Wir sind hier wieder am Dammgraben, einem trockengefallenen Stück zunächst. Erst ein paar hundert Meter weiter, nach links gehend, stoßen wir auf das Mundloch des Rothenberger Wasserlaufs. Auf bequemem Wege, den ruhig dahin ziehenden Graben zu Linken, geht es nun auf das Polsterberger Hubhaus zu.

 

Die Wanderung beginnt in der Breiten Straße und zweigt ab in die Kleine Oker, wo nach 50 m auf der rechten Seite der Gustav – Baumann – Weg beginnt. Es ist zunächst ein etwas unwirtlicher Aufstieg am Hang, der aber schon nach 200 m überwunden ist und dann einen Blick über Altenau ermöglicht. Über die Wiesen Geht es auf den Weg in den Wald hinein, wobei die Holzbrücke am Dammgraben erscheint. Er ist seit mehr als 20 Jahren ein Kulturdenkmal. Er wurde in den Jahren von 1732 – 1840 gebaut, um das Wasser von dem regenreichen Bruchberg und Brocken nach Clausthal-Zellerfeld zu transportieren, wo es für den Antrieb der Förderräder in den Bergwerken gebraucht wurde. An der Holzbrücke biegt der Wanderer links ab und folgt dem Dammgraben auf einer Strecke von insgesamt 4 km. Der Dammgraben, der an der Holzbrücke noch wie ein stehendes Gewässer wirkt, wird an mehreren Passagen steiler und so schnell, dass er als rauschendes und reißendes Wasser dem Wanderer entgegenströmt. Über Treppen braust der Dammgraben am Förster – Ludwig – Platz vom Berg herunter.

 

Das hier gelegene Rasthaus eignet sich für eine kleine Pause, bevor es weiter geht zur „Wiege des Dammgrabens“. So wird im Volksmund die Stelle bezeichnet, wo der bislang schmale Dammgraben und der wasserreiche, von oben herabsausende Nabetaler Graben zusammentreffen. Nach der „Wiege des Dammgrabens“ kommt eine Kreuzung, die der Wanderer überquert, wonach er rechts in den Weg abzweigt, der zu dem Naturschauspiel des Nabetaler Wasserfalls führt.

 

 

 
   


Der Wanderer kehrt zu der Kreuzung zurück und geht links den Weg hinauf, der den Nabetaler Graben überquert. Nach 800 Metern erscheint eine Abzweigung nach links , die zur L 504 führt. Jenseits dieser Straße beginnt mit dem Wolfswarter Fußweg (Weg Nr.18 J) der 1 km lange Aufstieg zum Bruchberg; wo die Wolfswarte steht. Diese Anhöhe mit der zerklüfteten Klippe bietet auf 919 m Höhe einen weiten Ausblick über die Harztäler. Allerdings sollte der Wanderer nicht wegen einer noch besseren Aussicht auf die oberen Felsen der Wolfswarte steigen, da der Quarzitschiefer sehr rutschig ist und Stürze verursachen kann.

 

Die Wolfswarte gehört zu einer Reihe von Klippen, die entlang des Bergkamms Acker-Bruchberg zu finden sind. Östlich und südlich der Wolfswarte liegen ausgedehnte Moore, die durch die jährlich hohen Regenniederschläge entstanden sind. Auf der westlichen Seite, wo keine Moore sind, sammelt der Dammgraben die talwärts fließenden Niederschläge. Etwas unterhalb der Klippe liegt der Wolfswarter Weg, der nach Altenau führt. Auf dieser Teilstrecke wandert es sich wie von alleine den Berg hinab, bis nach 3,5 km wieder die Holzbrücke am Dammgraben erreicht ist. Dort biegt der Wanderer links ab und folgt den Schleifen am Dammgraben, der an dem Wehr und der Wasserableitung vorbei führt, wo der Dammgraben die Große Oker kreuzt.

 

Entlang des Dammgrabens gelangt der Wanderer zu einer Wiese oberhalb von Altenau und sieht hier die Berghänge, die mit der Herbstfärbung ihrer Laubbäume leuchten. Vor dieser Kulisse geht der Wanderer die Wiese hinab und schließt seine 14 km lange Rundwanderung. Auf der Wiese dreht sich der Wanderer noch einmal um und sieht in der Ferne die Wolfswarte aufragen.

 

Die 14-Kilometer-Wanderung nutzt den ebenen Verlauf des Dammgrabens

 

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